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Bohrschlamm verseucht Grundwasser

Historische Bohrschlammgruben: Können sie Boden und Grundwasser belasten?

Bei der Erdöl- und Erdgasförderung fallen Rückstände aus Bohrungen und Förderprozessen an. In der Vergangenheit wurden solche Rückstände teilweise in sogenannten Bohr- und Ölschlammgruben abgelagert.

Einige dieser historischen Standorte werden heute als Altlastenverdachtsflächen untersucht. Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen einem Verdacht auf eine Belastung und einer tatsächlich nachgewiesenen Verunreinigung von Boden oder Grundwasser.

 

Was sind historische Bohrschlammgruben?

In Regionen mit langjähriger Erdöl- und Erdgasförderung wurden früher Gruben zur Ablagerung von Bohr- und Förderungsrückständen genutzt. Besonders gut dokumentiert ist dies für Niedersachsen, wo Erdöl und Erdgas bereits seit dem 19. Jahrhundert gefördert werden.

Bis in die 1960er-Jahre war es dort üblich, bei Tiefbohrungen kleinere Schlammgruben anzulegen, sofern die anfallenden Rückstände nicht unmittelbar anderweitig verwertet wurden.

Später entstanden teilweise größere zentrale Anlagen, in denen Rückstände aus mehreren Bohrungen gesammelt wurden.

 

Was kann in Bohr- und Ölschlämmen enthalten sein?

Die Zusammensetzung der Rückstände unterscheidet sich je nach Standort, Bohrverfahren, eingesetzten Stoffen und Art der Förderung.

Nach Angaben des Niedersächsischen Umweltministeriums können bei historischen Standorten unter anderem folgende umweltrelevante Stoffgruppen eine Rolle spielen:

  • Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW)
  • polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
  • aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzol, Toluol und Xylole
  • Chloride
  • weitere standortabhängige Bestandteile der Bohr- und Förderungsrückstände

Welche Stoffe tatsächlich vorhanden sind und in welchen Konzentrationen sie auftreten, muss für den jeweiligen Standort untersucht werden.

 

Können Bohrschlammgruben das Grundwasser belasten?

Historische Ablagerungen können grundsätzlich eine mögliche Quelle für Boden- oder Grundwasserbelastungen darstellen. Ob von einer konkreten ehemaligen Bohrschlammgrube tatsächlich Schadstoffe in Boden oder Grundwasser gelangt sind, lässt sich jedoch nicht pauschal beantworten.

Deshalb werden entsprechende Flächen zunächst als Altlastenverdachtsflächen beziehungsweise Schlammgrubenverdachtsflächen erfasst und anschließend untersucht.

Erst anhand solcher Untersuchungen lässt sich feststellen, ob eine Belastung vorhanden ist, welche Stoffe betroffen sind und ob weitere Maßnahmen erforderlich sind.

 

Wie viele historische Bohrschlammgruben gibt es?

Eine pauschale Zahl für ganz Deutschland ist schwierig, weil Erfassung und Bewertung der Standorte regional erfolgen und zwischen bestätigten Standorten und Verdachtsflächen unterschieden werden muss.

Für Niedersachsen wurden beispielsweise im Rahmen einer systematischen Untersuchung Hunderte Schlammgrubenverdachtsflächen erfasst. Eine solche Erfassung bedeutet jedoch ausdrücklich nicht, dass an jedem dieser Standorte eine Umwelt- oder Grundwasserbelastung nachgewiesen wurde.

 

Werden solche Bohrschlammgruben heute noch genutzt?

Der Umgang mit Bohr- und Förderungsrückständen hat sich grundlegend verändert. Neue Bohrschlammgruben werden in Niedersachsen seit vielen Jahren nicht mehr genehmigt.

Rückstände aus heutigen Bohrungen müssen entsprechend den geltenden abfallrechtlichen Vorgaben behandelt und entsorgt werden. Historische Standorte bleiben davon zu unterscheiden und können weiterhin Gegenstand von Untersuchungs- oder Sanierungsmaßnahmen sein.

 

Was bedeutet das für das Trinkwasser?

Eine mögliche Belastung des Bodens oder Grundwassers an einem einzelnen Altstandort bedeutet nicht automatisch, dass das Trinkwasser einer ganzen Region belastet ist.

Trinkwasser, das von einem Wasserversorger bereitgestellt wird, muss die Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllen. Besteht ein konkreter Verdacht auf eine lokale Belastung – beispielsweise bei einem privaten Brunnen in der Nähe eines bekannten Altstandortes – sollte die Situation gezielt untersucht und gegebenenfalls mit der zuständigen Behörde geklärt werden.

 

Welche Rolle kann Umkehrosmose spielen?

Die Umkehrosmose ist ein Verfahren zur Wasseraufbereitung. Dabei wird Wasser unter Druck durch eine semipermeable Membran geleitet, wodurch die Konzentration zahlreicher gelöster Wasserinhaltsstoffe reduziert werden kann.

Welche Stoffe eine konkrete Anlage in welchem Umfang reduziert, hängt unter anderem von der Membran, dem Systemaufbau, den Betriebsbedingungen und der Ausgangswasserqualität ab. Eine pauschale Aussage, dass Umkehrosmose „jegliche Schwermetalle“ oder „alle Schadstoffe“ vollständig entfernt, wäre daher nicht korrekt.

Wie das Verfahren funktioniert, erklären wir ausführlicher in unserem Beitrag zur Funktionsweise der Umkehrosmosemembran.

Wichtig ist außerdem: Besteht ein konkreter Verdacht auf eine Verunreinigung des Trinkwassers, sollte zunächst geklärt werden, ob und wodurch das Wasser tatsächlich belastet ist. Eine Wasseraufbereitungsanlage ersetzt keine Ursachenanalyse oder notwendige Sanierung einer Schadstoffquelle.

 

Fazit: Verdachtsfläche ist nicht gleich Grundwasserbelastung

Historische Bohr- und Ölschlammgruben sind ein relevantes Altlastenthema. Von solchen Standorten können grundsätzlich Risiken für Boden und Grundwasser ausgehen. Ob tatsächlich eine Belastung besteht, muss jedoch für den jeweiligen Standort untersucht werden.

Deshalb ist die pauschale Aussage, historische Bohrschlammgruben würden das Grundwasser in Deutschland vergiften, fachlich nicht haltbar.

Für Verbraucher ist entscheidend, zwischen historischen Altlasten, einer möglichen Grundwasserbelastung und der tatsächlichen Qualität des bereitgestellten Trinkwassers zu unterscheiden.

Wenn du dich grundsätzlich über Wasseraufbereitung informieren möchtest, findest du hier unseren Ratgeber zur Auswahl einer passenden Osmoseanlage.

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